Der Ort Marienthal
Marienthal war ursprünglich eine Töpfersiedlung, die in den Annalen als „Düppenhausen" (Düppe = Töpfe) bezeichnet wurde und rund 400 Meter Luftlinie südöstlich des heutigen Klosters im Elsterbachtal lag. Sie ist zwar urkundlich erst seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegt, ihre Erzeugnisse jedoch weisen sie schon für die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts nach. Gebrannt wurden dort Kugel- und Wölbetöpfe, Kannen, Schalen, Trinkbecher; in geringer Anzahl auch Rohre und Ziegel. Seit dem 15. Jahrhundert erscheint der Hof Düppenhausen als kleine adlige Grundherrschaft, zu der auch noch die Kapelle in Marienthal gehört.
Während die Wallfahrt dorthin einen Aufschwung erlebt, geht die Bedeutung der Töpfersiedlung zurück und verschwindet letztlich aus den Gemarkungskarten.
Die Wallfahrtsstätte
Die Anfänge der Wallfahrtsstätte Klosters Marienthal gehen zurück auf eine Legende. Laut Überlieferung erfolgte im Jahr 1309 eine wunderhafte Heilung des erblindeten Jägers Hecker Henn, der vor einem Marienbild im Wald gebetet hatte. Für das Marienbild, eine Pietà, baute der Junker Hans Schaffrait 1313 eine Kapelle. Wegen des schnell wachsenden Pilgerstroms und zahlreicher Heilungsberichte wurde die Kapelle ab 1326 durch eine größere Kirche ersetzt. Die Weihe erfolgte am Fest Maria Geburt, dem 8. September 1330, durch den damaligen Administrator des Erzbistums Mainz, Balduin. Den kirchlichen Dienst übernahmen zunächst Weltpriester.
Das Gnadenbild von Marienthal
Das Gnadenbild von Marienthal ist ein kleines Vesperbild. Es stellt Maria dar, wie sie nach der Kreuzabnahme ihren toten Sohn auf dem Schoße trägt. Es ist eines der frühesten Vesperbilder, seine Verehrung begann den Überlieferungen nach im Jahre 1309.
Dem Gnadenbild liegt ein Gedanke zugrunde, von dem sich schon immer die Künstler gerne leiten ließen, wenn sie die Passion Christi darstellten: die Zusammenschau von Leid und Verklärung. So wird Christus am Kreuz oft dargestellt als Sieger und König, um darzutun, dass sein Leid der Übergang in seine Königsherrlichkeit war. Ähnlich wurde auch Maria in ihrer Passion als die königliche Frau gesehen, die durch ihre Teilnahme am Opfer Christi auch Teilnehmerin seiner Herrlichkeit geworden ist.
Marienthal als Kraftort
Kraftorte sind besondere Plätze in der Natur oder von Menschenhand geschaffene Bereiche, die eine beruhigende, stärkende oder inspirierende Wirkung auf Seele und Geist haben. Sie dienen der Entschleunigung, Energieaufladung und Verbindung mit sich selbst. Oft sind es Orte mit hoher emotionaler Resonanz an denen Menschen Trost und Kraft finden.
Dazu gehört seit Jahrhunderten das Kloster Marienthal. Seit der wundersamen Heilung eines erblindeten Jägers kamen Menschen hierher, um Hilfe in besonderen und ganz individuellen Situationen zu erbitten. Zahlreiche Votivtafeln in der Wallfahrtskirche zeugen davon. Der Wallfahrtsort half Generationen von Menschen dabei, Abstand vom Alltag zu gewinnen, Energie zu tanken und die Stimmung zu heben. Das soll auch weiterhin möglich sein.





