Kloster Marienthal war der siebte Druckort der Welt und unter den Kugelherren die älteste Klosterdruckerei, die mit der von Johannes Gutenberg erfundenen Technik arbeitete, die er selbst auch in seiner Druckwerkstatt in Eltville nutzte.
„Große Verdienste um Schreibwesen und Buchkultur“
Karl Heinz Wahl stellte Kloster Marienthal als frühe Druckstätte in Wort und Bild vor
Kloster Marienthal kommt eine besondere Bedeutung in der Verbreitung der Druckkunst mit beweglichen Lettern im 15. Jahrhundert zu. Marienthal zählt zu den ältesten Druckstätten und hatte die erste Klosterdruckerei der Welt, die von Mönchen betrieben wurde. Dass es sich bei dieser Druckerei nicht um eine kleine Klitsche handelte, sondern um ein Unternehmen, das Werke bedeutender Autoren in hohen Auflagen ausführte, erläuterte Karl Heinz Wahl in einem Fachvortrag Vortrag im April 2010 im Rüdesheimer Rathaussaal vor Mitgliedern der der Gesellschaft zur Förderung der Rheingauer Heimatforschung. Es waren die Kugelherren – die Brüder vom gemeinsamen Leben – die Marienthal diesen wichtigen Platz in der Geschichte sicherten. Karl Heinz Wahl hatte sich als früherer Eltviller Pfarrarchivar, pensionierter Englisch- und Lateinlehrer und Mitarbeiter des Druckladens im Mainzer Gutenbergmuseum in das Thema eingearbeitet.
Der Druckort Marienthal

Als Johannes Gutenberg im Februar 1468 starb, hatte sich seine anfangs noch geheim gehaltene Kunst des Buchdruckens schon erstaunlich weit verbreitet. Stellt man in Rechnung, dass Gutenbergs berühmte Bibel erst 1454 fertiggestellt und seitdem nur 13 Jahre vergangen waren, stellt dies eine rasante Entwicklung dar, woran die politischen Entwicklungen wohl einen großen Anteil hatten.
Der Streit zwischen dem amtierenden Mainzer Erzbischof Diether von Isenburg und Adolf von Nassau, dem von Papst und Kaiser favorisierten Kandidaten, wurde ganz zeitgemäß in der Manier spätmittelalterlicher Fehden gelöst: Die Nassauer nahmen Mainz mit Gewalt ein, vertrieben den amtierenden Erzbischof samt einer beachtlichen Anzahl missliebiger Mainzer Bürger, darunter auch etliche der in den Werkstätten von Gutenberg und seinen Konkurrenten Fust und Schöffer tätigen Drucker.
