Glockenweihe 1966

Die Glocken

 

Als 1857/58 die Wallfahrtskirche von Marienthal wieder hergestellt wurde, erhielt sie auch ihr Geläute. Man versah den Turm mit einem Glockenstuhl für die Aufnahme von drei Glocken. Von diesen Glocken war die größte dem hl. Petrus geweiht. Sie war 175 kg schwer, 55 cm hoch, 67 cm breit und trug die Jahreszahl 1858. Ihre Inschrift lautete: „Coelestes audite sonos mortales" (Ihr Himmel hört die Klänge der Sterblichen). Die zweite Glocke trug den Namen „St. Carolus Borromaeus". Ihr Gewicht betrug 100 kg, ihre Hohe 45 cm, ihre Breite 55 cm. Ihre Inschrift war: „Non clamor sed Amor cantat in aure Dei" (Nicht Lärm, sondern die Liebe klingt im Ohr Gottes).

Eine Jahreszahl ist wie auch bei der dritten Glocke nicht angegeben. Beide Glocken könnten also auch einige Jahre nach 1858 angeschafft worden sein. Die dritte Glocke war eine Marienglocke. Sie wog nur 50 kg, war 37 cm hoch und 45 cm breit. Sie trug die Inschrift: „Mea vox grata, dum sim Maria vocata" (Lieblich ist meine Stimme, während ich Maria anrufe).

Bis in die Zeit des Ersten Weltkrieges hinein konnte das Geläute seinen Dienst tun. Als der Krieg seinem Ende zuging und der Mangel an Material für Rüstungszwecke immer größer wurde, fielen auch zwei Marienthaler Glocken dem großen Glockensterben zum Opfer. Im März 1917 mussten die Glocken gemeldet werden, im Juni wurden sie geholt. Eine Glocke durfte bleiben, doch welche von den dreien es war, ist nicht überliefert.

Drei Jahre nach Kriegsende, im Jahre 1921, beschloss die Hausleitung, das Geläute wieder zu ergänzen. Man wandte sich an die Firma F. W. Rineker in Sinn, Dillkreis. Die Firma schickte einen Fachmann, dessen Beurteilung dazu führte, zwei neue, harmonisch abgestimmte Glocken zu erwerben. Diese wurden bestellt und die alte noch vorhandene aber defekte Glocke auf den Kirchenspeicher gestellt. Von dort wurde sie im Frühjahr 1924 der Franziskanerpfarrei St. Elisabeth in Wiesbaden geschenkt. Am 26. März 1922 wurden die neuen Glocken geweiht und am Tag darauf in den Glockenstuhl gehängt. Die größere Glocke war der Schmerzensmutter geweiht und trug den Vers: „Juva, mater dolorosa, in hac valle lacrimosa" (Freue dich, schmerzhafte Mutter, im Tal der Tränen). Die kleinere wurde dem hl. Vater Franziskus übergeben mit der Bitte: „Nos, Fran cisce, tueamur, in adversis protegamur" (Wache über uns, Franziskus, und beschütze uns in Widrigkeiten).

 

Auch im Zweiten Weltkrieg wurde alles brauchbare Metall beschlagnahmt, um als Kriegsmaterial verwendet zu werden. 1942 wurden die Glocken konfisziert. Am 27. April hat man die demontiert, Marienglocke, während die Franziskusglocke bleiben durfte.

 

Erst 1966 erörterte man, ob das Glockengeläute der Wallfahrtskirche nicht wieder verstärkt und durch eine Läuteanlage automatisiert werden solle. Bei der Firma Schilling in Heidelberg wurden dann folgende drei Glocken in Auftrag zu geben: Die große Glocke sollte 85 kg wiegen und einen Durchmesser von 51 cm haben. Es wurde ihr der Name Maria gegeben. Als Inschrift wurde gewählt: „Vaticano jam secundo nunc peracto me funderunt in honorem Matris nos trae. Nunc et ego semper fundo dulcem pacem in laborem domus vestrae" (Im Vatikan haben sie mich jetzt zum zweiten Mal zu Ehren unserer Mutter gegossen. Jetzt und immer gieße ich süßen Frieden in die Mühe eures Hau ses). Für die zweite Glocke wurde ein Gewicht von 60 kg und ein Durchmesser von 45 cm vorgesehen. Sie sollte dem hl. Franziskus geweiht sein. Ihre Inschrift lautet: „Sono Francisci patris super undas montesque honores vos laetificantes peregrinos omnes et auditores" (Mit dem Klang des Vaters Franziskus über allen Hügeln und Bergen freuen sich alle Pilger und Zuhörer über Ihre Ehrungen). Die dritte Glocke sollte eine Elisabethglocke werden. 35 kg schwer und mit einem Durchmesser von 35 cm sollte sie die Inschrift tragen: „Sono Francisci filiae super silvas camposque dolores vos evigentes elisos consolantesque fratres et minores" (Mit dem Klang der Tochter des Franziskus über den Wäldern und Ebenen, der sie aus ihren Sorgen aufweckt und Ihre Brüder und Minderen tröstet). Am 15. August 1966 war feierliche Glockenweihe, zwei Tage später wurden die Glocken in den Turm gehängt und die Läuteanlage eingerichtet.

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