Abschied vor großer Kulisse
Weihbischof Löhr predigt vor hunderten Pilgern in Marienthal
Am 15. August feiert die römisch-katholische Kirche das Hochfest Mariä Himmelfahrt bzw. Mariä Aufnahme in den Himmel. Auch für den Wallfahrtsort Marienthal ist das ein Hochfest. Diesmal stand der Tag aber unter besonderen Vorzeichen. Es galt nicht nur den Feiertag zu begehen, sondern gleichzeitig die Franziskaner zu verabschieden, die über 153 Jahre an diesem Ort die Wallfahrer betreut haben.
Und so zog es an diesem Samstag viele hundert Pilger nach Marienthal, was sich schon recht früh in einem kleinen Verkehrschaos zwischen Marienthal und Johannisberg bei deren Anreise ankündigte.
Im Saarland und in weiten Teilen Bayerns, in Österreich, der Schweiz sowie anderen katholisch geprägten Ländern ist das Hochfest ein gesetzlicher Feiertag. Nicht so in Hessen. Doch trotzdem pilgerten die Menschen in Scharen zum Kloster Marienthal. Auf dem Pilgerplatz gab es keinen freien Sitzplatz mehr und viele mussten das Pontifikalamt im Stehen verfolgen.
Das Fest erinnert an die „leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel“, die Papst Pius XII. 1950 als bisher letztes katholisches Dogma verkündete. Aber mehr noch als dieses Hochfest dürfte die Pilger die Frage nach der Zukunft des Wallfahrtsortes bewegt haben. Und darauf erhofften sie sich eine Antwort vom Limburger Weihbischof Thomas Löhr, der den Festgottesdienst hielt. Und er hatte eine gute Nachricht dabei: „Die Wallfahrt wird weitergehen!“
Mit dem Abschied der Franziskaner endet zwar ein prägendes Kapitel in Marienthal. Zugleich sei allen Beteiligten bewusst, welche religiöse, kulturelle und emotionale Bedeutung der Ort für viele Menschen in der Region und darüber hinaus hat, so Löhr. Deshalb richteten sich die Gespräche nun darauf, die Wallfahrt und den Charakter Marienthals als Ort des Gebets, der Begegnung und der Hoffnung verlässlich in die Zukunft zu führen.
Inzwischen hat sich ein Förderverein gegründet, der das Wallfahrtswesen unterstützen möchte. Auch das Bistum Limburg arbeitet an einer guten Zukunft für den Wallfahrtsort. „Die Wallfahrt wird fortgeführt“, sagt Susanne Gorges-Braunwarth, Fachbereichsleitung Seelsorge und Entwicklung. Zwei Vinzentiner, die zunächst in Eibingen wohnen werden, übernehmen ab dem ersten Advent die Seelsorge im Wallfahrtsort. Die Übergangszeit wird von der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau, von Pfarrer Michael Pauly und Pfarrer Marcus Fischer, gestaltet.
Das Bistum blickt dabei auch dankbar auf die Bereitschaft von Schloss Johannisberg, als Eigentümer der Liegenschaften Verantwortung für Gebäude und Gelände übernehmen zu wollen. Schloss Johannisberg steht hierzu im positiven Austausch mit der Pfarrei Heilig Kreuz Rheingau und dem Bistum Limburg und möchte so „zum Erhalt des traditionsreichen und kulturell bedeutsamen Ortes beitragen.“
Mit den Vinzentinern aus der indischen Provinz Kerala habe man einen mitgliederstarken Orden gefunden, der bereits seit zwanzig Jahren Erfahrung in der Seelsorge in Berlin gesammelt hat und deren Mitbrüder größtenteils in Deutschland studiert haben. Sie haben nun offiziell die Niederlassung ihres Ordens in Marienthal im Bistum beantragt.
Dass Marienhal als Wallfahrtsort für die Pilger erhalten werden soll, machte auch Professor Dr. Franz-Rudolf Weinert, Domkapitular aus Mainz mit rheingauer Wurzeln, deutlich. Er erinnerte daran, dass über viele Jahrhunderte vor der Gründung des Bistums Limburg Marienthal für das Bistum Mainz ein zentraler Ort des Glaubens war an dem sich 3.000 bis 12.000 Menschen versammelten. Auch er wolle durch Übernahme von Gottesdiensten und die Durchführung von Wallfahrten an der Zukunft dieses Ortes mitwirken.
Geisenheims Bürgermeister Christian Aßmann erklärte aus persönlicher Erfahrung die Bedeutung des Wallfahrtsortes, der neben dem Dom eine prägende Liegenschaft in der Kommune sei. Über Generationen hinweg hätten die Franziskaner den Wallfahrtsort spirituell geleitet und stets ein offenes Haus für die Menschen und Pilger geboten. Dies verdiene besondere Wertschätzung. In die Trauer über den Abschied der Franziskaner mischte sich bei Aßmann aber auch die Freude darüber, dass die Wallfahrt weitergehen wird. Er selbst engagiert sich deshalb auch in dem neugegründeten Verein der Freunde und Förderer des Wallfahrtsortes Marienthal im Rheingau.





