Kreuzweg und Lichtweg
Mit viel Eifer bemühten sich die Franziskaner in den vergangenen 153 Jahren stets um die Instandhaltung und den Ausbau der Wallfahrtsanlagen. Dazu gehören vor allem der Kreuzweg. Der Gedanke, in Marienthal einen großzügig angelegten Kreuzweg zu errichten, ging von Bischof Peter Josef Blum aus. Schon in dem Vertrag, den er mit dem Fürsten Metternich am 6. Oktober 1857 schloss, vereinbarte er die Überlassung des benötigten Baugrundes. Es war geplant, im Talgrund hinter der Kirche parkähnliche Anlagen entstehen zu lassen, und der Kreuzweg sollte diese Anlagen umschließen.
Im Jahre nach der Neueinweihung der Kirche 1858 wurden die Stationshäuschen gebaut. Am 8. September 1859, dem Patrozinium der Wallfahrtskirche, konnte der Kreuzweg in Anwesenheit des Bischofs und einer großen Volksmenge eingeweiht werden. Die Kreuzwegbilder, bemalte Reliefs, sind eine gute Arbeit eines nicht mehr bekannten Künstlers mit feinen Details. Sie wurden von Limburg bestellt und bezahlt. Die Witterungseinflüsse machten bis heute immer wieder Renovierungen notwendig, 1886 dachte man sogar an einen völligen Neubau, führte jedoch den Plan nicht aus.
1921 war es Kunstmaler Steinle aus Sigmaringen, der den Kreuzweg von manchen Spuren der Zeit befreite. Noch einmal wurden die Bilder 1934 renoviert mit den ursprünglichen Farbe, die man noch feststellen konnte. Auch die Stationshäuschen erfordern immer wieder Instandsetzungsarbeiten an Gemäuer und Dach. Zusammen mit dem Kreuzweg wurde auch eine Ölbergstation beim Pilgerplatz errichtet. Die Figuren der Ölberggruppe wurden 1859 von Meister Kunz in Oberursel geschaffen, dem Bischof Peter Josef Blum den Auftrag dazu gegeben hatte. 1912 bekam der Zugang zur Ölbergstation seine jetzige Gestalt.
Irgendwann verschwand die Gruppe und bis in die siebziger Jahre stand nur noch eine Figur des blutschwitzenden Heilands in der Kapelle. Der vielseitig begabte P. Lambert Hertweck hat schließlich das heute dort befindliche Mosaik mit einer Auferstehungsszene quasi als 15. Kreuzwegstation geschaffen.
Einen weiteren Schmuck bekamen die Kreuzweganlagen, als im November 1937 zwischen der 8. und 9. Station eine große Herz-Jesu-Statue aufgestellt wurde, ein Geschenk der Waldbreitbacher Brüder in Bad Kreuznach. Sie stand dort im Park ihres Krankenhauses Marienwörth, und in der Befürchtung, dass die Naziregierung ihnen ihre Tätigkeit dort untersagen könnte, gaben sie die Statue nach Marienthal.
Ganz aktuell entstand im Jubiläumsjahr 2023 der sogenannte „Lichtweg“ parallel zum Kreuzweg im Tal. Es waren die Franziskaner, die seit dem 13. Jahrhundert den Kreuzweg als Darstellung und als Volksandacht verbreitet haben. Und es sind die Salesianer, die seit 1988 den Lichtweg in 14 Stationen konzipiert und in der ganzen christlichen Welt verbreitet haben. Wie das Gehen des Kreuzweges die Begegnung mit Jesus im Leiden fördert, so fördert das Gehen des Lichtweges die Begegnung mit dem Auferstandenen. 1859 wurde der Kreuzweg in Marienthal errichtet. Nun steht daneben der Lichtweg beginnend mit der Auferstehung bis zur Geistsendung. Die Bilder dazu gestaltete Heinz Günter Buchberger. Die Eröffnung und Einweihung fand im Andachtsgottesdienst am Ostermontag 2023 statt.
