Alte Ansichtskarten vom Kloster Marienthal

Historischer Überblick vom Verein der Rheingauer Briefmarkenfreunde

In seinem Vortrag „Kloster Marienthal im Rheingau im Spiegel alter Ansichtskarten“ hatte Dr. Heinz-Dieter Molitor von den Rheingauer Briefmarkenfreunden am 6. Oktober 2008 einen interessanten Überblick geboten. 

Die ersten Ansichtskarten von Kloster Marienthal sind aus dem Jahr 1896 erhalten geblieben. Möglicherweise gibt es auch ältere. Die Karten wurden von den Betreibern der Andenkenläden an die Pilger verkauft. Teilweise sind diese Betreiber auch auf den Karten vermerkt und firmieren dort als Verlag, so beispielsweise Philipp Krissel aus Stephanshausen oder Brunk aus Marienthal. Im Rheingau gab es zur damaligen Zeit zahlreiche Steindruckereien. Die ersten Ansichtskarten von Marienthal bis etwa 1901 wurden überwiegend von C.F. Kleebach in Eltville gedruckt, wobei weder die Person, noch die Druckerei anderweitig überliefert sind, wie Molitor recherchiert hat. 

Im Verlauf der Jahre nach Einführung der ersten Ansichtskarten von Marienthal wurde eine große Zahl von Karten mit immer wieder wechselnden Motiven und Ansichten hergestellt. Diese geben auch die baulichen Veränderungen der Klosteranlage insbesondere an Kirche und Hauptgebäude wieder. So lassen sich laut Molitor am Hauptgebäude drei Perioden unterscheiden: 

Von 1896 bis etwa 1903, vor dem grundlegenden Umbau des Hauptgebäudes. Erkennbar an dem nur zweigeschossigen Gebäude mit abgeschrägtem Giebel. 

Von 1904 bis 1937, nach der Aufstockung und Erweiterung des Hauptgebäudes im Jahre 1904/05. Erkennbar an dem repräsentativen Giebel. Diese Periode endete mit dem Großbrand am Osterdienstag, den 30. März 1937, in dessen Folge der gesamte Dachstuhl und teilweise das oberste Geschoss zerstört wurde. 

Von 1938 bis heute mit abgeflachtem Giebel und auf zwei Stockwerke begrenztem Hauptgebäudes, in Anlehnung an das ursprüngliche Erscheinungsbild vor dem Umbau 1904. 

Eine Übersicht der Ansichtskarten der ersten Periode bis 1903 wurde anlässlich des Vortrags Vortrags zusammengestellt und ist als pdf-Datei abrufbar unter:
https://www.briefmarkenfreunde-rheingau.de/files/uploads/37.pdf.

Die Grußkarte (Nr. 304) stammt vom Verlag Carl van den Boogaard, Wiesbaden & München. Sie wurde am 31.12.1899 in Johannisberg abgestempelt und war an ein Fräulein Franziska Schneider im Hotel zum Kurfürsten in Fulda adressiert. Wie aus dem Text auf der Bildseite hervorgeht handelt es sich um einen Neujahrsgruß: 
Liebe Schwester,
ich wünsche Dir die herzlichsten Glückwünsche zum neuen Jahr. Auch schönen Gruß von Br. Heinrich.
Mit herzl. Gruß verbl.
Dein
Br. Jakobus
Es findet sich ein weiterer Gruß auf der Karte:
... der ganzen Familie Müller ein glückliches "Neues Jahr"
P. Praeses
Bei dem Absender dürfte es sich um Bruder Jakobus Schneider handeln, der als Mitglied des Hauptkapitels am 18.8.1903 auf der Seite 168 der unten angeführten Literatur erwähnt wird.
Präses des Klosters war im Jahr 1899 Pater Gabriel Köhne
Quelle: Pater Christoph Winterhalder (1973): 100 Jahre Franziskaner in Marienthal/Rheingau 1873-1973.